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Ein
Lebenslauf und vier Variationen
Lebenslauf
Von 1981 bis 2000 Redaktionsmitglied der Süddeutschen Zeitung, zunächst als Sportredakteur, dann als politischer Reporter und Streiflicht-Autor. Lebt seit 2000 als Schriftsteller und Kolumnist in
Buchveröffentlichungen: Nächte mit Bosch (1991), Der kleine Erziehungsberater (1992), Der kleine König Dezember (1993), Hackes Tierleben (1995), Ich hab's Euch immer schon gesagt. Mein Alltag als Mann (1998), Auf mich hört ja keiner (1999), Ich sag's Euch jetzt zum letzten Mal (2000), Ein Bär namens Sonntag (2001), Das Beste aus meinem Leben (2003), Deutschlandalbum (2004), Der weiße Neger Wumbaba (2004), Prálinek (2005), Der weiße Neger Wumbaba kehrt zurück (2007), Wortstoffhof (2008), Wumbabas Vermächtnis (2009), Alle Jahre schon wieder (2009), Wofür stehst Du? Was in unserem Leben wichtig ist – eine Suche, mit Giovanni di Lorenzo (2010), Das Beste aus meinem Liebesleben (2011). Übersetzungen ins Englische, Französische, Japanische, Koreanische, Spanische, Chinesische, Dänische, Portugiesische, Holländische, Italienische, Thailändische, Norwegische, Tschechische, Polnische, Hebräische, Litauische und Russische. Hörbuchveröffentlichungen: Der kleine Erziehungsberater (1995), Der kleine König Dezember, Hörspiel (1997), Auf mich hört ja keiner (2000), Hackes musikalisches Tierleben (2001), Das Beste aus meinem Leben (2003), Deutschlandalbum (2004), Der weiße Neger Wumbaba (2004), Ein Bär namens Sonntag/Prálinek, mit Musik von Christoph Well (2006), Der weiße Neger Wumbaba kehrt zurück (2007), Der kleine König Dezember, Lesung (2008), Wortstoffhof (2008), Wumbabas Vermächtnis (2009), Alle Jahre schon wieder, mit Songs von Ursula Mauder (2009), Wofür stehst Du? Was in unserem Leben wichtig ist – eine Suche, mit Giovanni di Lorenzo (2010), Das Beste aus meinem Liebesleben, mit Songs von Ursula Mauder (2011).
1. Variation: Lebenslauf, gelangweilt
Nein, immer 1956, den Leuten fällt einfach nichts ein, ihre Hirne sind leer wie ein Kohlenkeller im Kriegswinter, sie riskieren auch nichts, sie wollen nichts falsch machen, bloß nicht auffallen mit einem Fehler, lieber nachschauen und dann das Immergleiche. Neunzehnhundertsechsundfünfzig. Danach kommt natürlich: Braunschweig. Weil ich da geboren wurde,
1956 war das, wenn Sie es noch mal genau wissen wollen. Was geht mich
Braunschweig noch an? Null. Dann kommt natürlich das mit dem Studium. Ich sag's nicht mehr, ich bring' es nicht mehr über die Lippen, Langweilungswissenschaften an der Ludwig-Langweil-Langiversität in Langweilchen. Das war 1981 Gott sei Dank zu Ende. Und dann? Sie wissen doch längst, dass ich dann zur Süddeutschen Zeitung bin, was fragen Sie das jetzt noch extra? Soll ich die einzelnen Ressorts aufzählen? Noch mal? Das können Sie nicht verlangen. Ende jetzt. Wohnt in München und im Chiemgau, schreibt Kolumnen und Bücher,
die sind in dreizehn Sprachen übersetzt, welche, sag' ich nicht mehr,
hab' ich schon viel zu oft, vielleicht sind
2. Variation: Aus dem Tagebuch 1956, nach Thomas Mann
Sonnabend den 21. I. 56 Sonntag den 22. I. 56 Montag den 23. I. 56
3. Variation: Lebenslauf, nach Thomas Bernhard
Und ich sagte der Schlanghammer auch noch zu, ihr diese kurze Version meiner künstlerischen Vita bis um die Mittagszeit zu liefern, obwohl doch, was die Schlanghammer hätte wissen können, und was um so mehr auch mir selbst hätte klar sein müssen, das Verlangen nach einer Vita, noch dazu einer künstlerischen Vita, von der die Schlanghammer nun schon seit Jahren mir gegenüber immer wieder und wieder geradezu zwanghaft spricht, mich auf Tage zerstören würde. Eine Woche lang, so dachte ich an meinem Schreibtisch, in
der mir das Vibrato der Schlanghammerstimme als der Inbegriff alles Ekelhaften
erschienen war, hatte ich das Telefon gemieden und meine Gehörgänge
gegen sein Läuten verschlossen; ausgerechnet jetzt, als ich die mich
allmählich stumpfsinnig machende Isolation nicht mehr zu ertragen
vermochte und ich der Versuchung nachgab, den Hörer des läutenden
Telefones einmal zu ergreifen und endlich wieder eine menschliche Stimme
zu hören, um so eine dringend notwendige Geistes- und Körperberuhigung
zu erlangen, erreichte mich die widerwärtige und niederträchtige
Stimme
4. Variation: Mitleiderregender Lebenslauf
Natürlich gab es genug zu essen, aber das war im Grunde gerade das Schlimme. Ich war ein fettes Kind, darunter leide ich bis heute, diese Fettzellen bleiben einem ein Leben lang, man hungert dagegen an, aber erfolglos. Man hänselte mich wegen meiner Pummeligkeit die ganze Schulzeit lang; das wäre nicht so schlimm gewesen, hätten meine Eltern hinter mir gestanden, aber sie ironisierten das nur, und im übrigen verlangten sie Leistung, Leistung, Leistung. Ich war ein guter Schüler, aber unglücklich in allem, bin nach der Bundeswehrzeit (eine unfassbar langwierige Quälerei, denn ich bin kein soldatischer Typ, hatte mich aber trotzdem, weil ich Geld benötigte, für fast zwei Jahre verpflichtet), bin also dann nach München zum Studium gegangen. Eine riesengroße Stadt, ich war sehr einsam, brachte das Studium so rasch wie möglich hinter mich, für Frauen war ich ja sowieso zu schüchtern, während um mich herum... Mein Gott, es waren ja Münchens vitalste Jahre, eine heitere, sinnenfrohe
Zeit, nur ich hatte eben nichts davon. Ich trat dann so schnell wie möglich
meinen ersten Job an, leider nur Sportredakteur, obwohl ich gerne politischer
Redakteur geworden wäre, was ich dann einige Jahre später auch
wurde, aber da interessierte es mich schon nicht mehr, weil ich mich nach
einem Leben als Reporter sehnte, was dann, als ich es erreicht hatte,
den fast nicht zu ertragenden Nachteil des Ständig-Unterwegsseins
hatte...
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Manche Leute haben einen Hund. |